12. Nächtliche Heim-Suche
Es berührt mich, zu sehen, wie meine indischen Mitreisenden vor der Shiva-Statue innehalten und ihrem Gott ihre Ehrerbietung zeigen, indem sie die Füße berühren oder in stillem, andachtsvollem Gruß für einen Augenblick davor verharren, um dann geschäftig weiter zu streben in Richtung Passkontrolle.
Eine unglaubliche Hektik herrscht in diesem Bereich. Es sind außer unserer Maschine aus Dubai zur selben Zeit noch eine Maschine aus Paris, eine aus Moskau und eine weitere aus Rom angekommen. Es werden aber in den nächsten 15 Minuten noch die Maschine aus Zürich, die aus London und die aus Madrid erwartet.
Mein armer dröhnender Kopf wird im regelmäßigen Rhythmus des Stempels, der jedem einreisenden Touristen in den Reisepass geknallt wird, malträtiert. Die Schlange vor mir erscheint mir unendlich und ich sehne mich einfach nach einem ruhigen Bett. Aber so einfach ist es nicht. Nach der Passkontrolle werden noch einmal alle Passagiere wie beim Einchecken abgetastet mit einem Handradar und das Handgepäck wird ebenfalls noch einmal durchleuchtet. Dann kann ich endlich zum Transportband für das große Gepäck vordringen. Als wäre es die natürlichste Sache der Welt, ist das Gepäck noch lange nicht ausgeladen, aber der Kampf um die Transportkarren tobt in jedem Fall schon mal.
Dann ist es endlich auch mit dem Gepäck so weit. In der Wartezeit konnte ich mir die Ankunfts- und Gepäckausgabehalle genau anschauen. Es ist eigentlich mehr als ernüchternd, in welchem Zustand der Flughafen der größten indischen Stadt ist, die ja auch gleichzeitig seit der englischen Kolonialzeit The Gateway of India genannt wird.
Endlich stehe ich vor dem Flughafen und atme die warme suptropische Luft ein. Über mir sehe ich einen sternenklaren Himmel, Palmen rauschen. Was ich allerdings ganz sicher nicht erwartet hätte, ist dieser Tumult, der sich vor meinen Augen um die gerade angekommenen Touristen abspielt. Nicht um diese Zeit! Taxifahrer schreien, Busse hupen wild durcheinander, Rikshaw-Fahrer brausen zwischen alle dem in halsbrecherischer Fahrt herum. Gut, dass ich ein Hotel gebucht habe und weiß, wo ich hin muss. Nur Ausschau halten nach dem Shuttlebus und mein Zimmer ist ganz nah.
So dachte ich. Nirgendwo ist ein solcher Shuttleservice für mein Hotel zu finden. Niemand hier kennt das Hotel. Es muss laut der Adresse irgendwo da draußen in der feucht-warmen Dunkelheit liegen. Mir bleibt nichts anderes übrig, als mir ein Taxi zu nehmen. Aber bevor ich meine Idee umsetzen kann, stehe ich umringt von 4 Rikshaws. Jetzt weiß ich gar nicht mehr, was ich tun soll.
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