26. Business bleibt Business
Die Schönheit des Sonnenunterganges, das Gewirr der Menschen, die Geräusche, die Düfte, das alles verzaubert mich und ich fühle mich weggetragen in eine Welt, die ich bisher noch nicht einmal erahnen konnte. Wo ist die rationalistische Geschäftsfrau geblieben? Sie ist irgendwo zwischen der Landung in Mumbay und meiner Businesskleidung hängen geblieben. Bin ich eine romantische Träumerin der Hippy-Ära geworden? Wie kommen hier die erfolgreichen Geschäftsleute denn mit dieser Welt zurecht? Dieses Land verwirrt und fasziniert mich immer mehr.
Die Abendgesellschaft findet in einem Haus statt, das für westlichen Geschmack etwas gewöhnungsbedürftig ist. Die Architektur ist streng modern. Die Ausstattung und Einrichtung eine Mischung aus Kolonialzeit, britischer Rosenliebe, die sich in den Dekorationsstoffen zeigt und indischer Liebe zu verspieltem Nippes und Kitsch. Alles aber ganz sicher ausgesprochen teuer. Diesen Lebensstil habe ich in den Häusern, in denen die Bollywood-Filme spielen, gesehen und geglaubt, dass so doch niemand lebt und alles eine Fiktion ist.
Aber hier sehe ich es live. Reiche Inder leben tatsächlich in einer so bombastischen Umgebung. Diener reichen Tabletts mit Getränken und Snacks. Im Garten sind große Zelte aufgebaut. Man sitzt darin, isst, trinkt, lacht und amüsiert sich offensichtlich sehr gut.
Es dauert nicht lange und ich bin in ein hoch interessantes Gespräch verwickelt. Mein Gesprächspartner ist seit längerem an einer Zusammenarbeit mit einer deutschen Firma interessiert, die genau in der Branche arbeitet, die ich hier vertrete. Es läuft also hier genauso, wie ich es von derartigen Gesellschaftsabenden in meiner Welt kenne. Diese Gesellschaften werden gegeben, um Kontakte mit potentiellen Geschäftspartnern knüpfen zu können. Nach drei Stunden habe ich eine kleine Sammlung von Visitenkarten in meiner Handtasche und ich könnte mir vorstellen, dass sich die eine oder andere Geschäftsverbindung entwickeln ließe.
Länger kann ich nicht bleiben, morgen Vormittag werde ich abreisen in Richtung Agra. Meine Freundin hat mir gesagt, ich soll nicht wagen aus Indien zurück zu kommen, ohne ihr ein selbst gemachtes Foto mit zu bringen. Mir ist das eigentlich zu romantisch, was sich an Geschichten um das Taj Mahal rankt. Aber die Architektur und das Kunsthandwerk dieses Weltkulturerbes interessieren mich schon.
Ein Taxi bringt mich wieder zu meinem Hotel zurück. Das geschäftige Treiben des Tages hat zwar nach gelassen, aber die Stadt pulsiert noch immer wie eine mittlere Großstadt in Deutschland zur Hauptgeschäftszeit. Wenigstens kommen wir ohne Verkehrsstau durch. Wir müssen an einer Ampel warten und ich beobachte schläfrig die Szene an dieser Kreuzung.
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