4. Abreise
Zugeben muss ich es schon vor mir selber, ich bin aufgeregt. Endlich in das Land zu fliegen, von dem und über das ich schon so lange träume. Noch einmal meine Papiere durchsehen, ob auch wirklich alles zusammen ist und dann versuch ich noch ein wenig zu schlafen. Spät genug ist es ja, morgen um 5 Uhr geht der Wecker.
Beim Aufwachen merke ich, dass ich gar nicht geschlafen habe. So fühle ich mich nämlich. Mir dröhnt der Kopf und ich denke, so kann ich nicht fliegen. Aber was soll’s. Es muss gehen. Eine heiße Dusche, ein schneller Kaffee, ein trockener Toast. Ein letzter Blick in die e-mails und schon läutet das Taxi. Ach ja, ich wollte ja noch einen Freund anrufen, er soll sich um meine Blumen kümmern. Werden die schon überleben müssen. Der Taxifahrer sieht unausgeschlafen und mürrisch aus. Wenigstens ist es im Wagen warm. Ein Glück, dass es in die Subtropen geht. Deutschland ist mir schon immer zu kalt im Februar.
Natürlich hat der IC Verspätung. Ich werde glatt meine Flieger verpassen, wenn jetzt nicht etwas passiert. Irgendwie finde ich heraus, dass ein anderer IC nach Köln fährt, dort kann ich in einen andern IC, der aus Aachen kommt, umsteigen. Auch gut. In Köln angekommen rasen alle Leute wie von Feuer getrieben auf die andere Seite des Bahnsteiges. Ich sehe auf der Anzeigetafel nur, dass der Zug über Frankfurt Flughafen fährt und lasse mich mit in den Menschenstrudel ziehen.
So gequetscht habe ich seit langem nicht mehr in einem deutschen Zugabteil gestanden. Dicht gedrängt stehen die Reisenden, halb auf ihrem Gepäck hockend, halb zwischen anderen Reisenden eingeklemmt und sind froh, diesen Zug erreicht zu haben. Langsam dringt durch, warum dieses Chaos. Jemand hatte keine Lust mehr an diesem bunten Leben und hat sich auf eine Bahnstrecke vor den IC geworfen. Dadurch ist der gesamte Verkehr seit 2 Stunden lahmgelegt und ich bin nicht im IC, der durch das Rheintal fährt, sondern im ICE, der die Hochgeschwindigkeitstrasse durch die endlosen Tunnels nach Frankfurt nimmt. Ein Trost ist mir, dass der Zug für diese Strecke wesentlich kürzer braucht als der Zug, der am Rhein entlang fährt. Auf jeden Fall werde ich so meinen Geschäftspartner noch vor dem Abflug nach Bombay treffen.
Was mir jetzt eigentlich wirklich fehlt, ist dieses gemütliche Frühstück im Speisewagen, auf das ich mich schon so gefreut habe.
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